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Big Data: Auf dem Weg vom Hype zum Geschäftsmodell

„Datensöldner“ lösen Probleme – Maschinen melden sich, bevor sie ausfallen – Vollautomatisiertes "Profiling" von Personen unzulässig. Ein Nachbericht zur Veranstaltung "Digital Business Trends".
 
Daten gibt es inzwischen wie Sand am Meer, jetzt entwickeln sich langsam auch Märkte rund um die intelligente Auswertung und entsprechende neue Geschäftsmodelle. Welche Hürden es dabei gibt und wieso gerade personalisierte Daten so spannend sind, erklärten Experten bei einer Podiumsdiskussion der Plattform "Digital Business Trends" gestern, Donnerstagabend, in Wien.

„In Österreich gibt es schon einen Datenmarkt. Aber die Verbindung zwischen den Akteuren ist noch ausbaufähig“, so Allan Hanbury, Senior Researcher an der Technischen Universität (TU) Wien und Leiter des Data Science Studio der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft. Ein funktionierender Datenmarkt müsse die Möglichkeit bieten, Daten zu verkaufen, Analysen anzubieten, externe Daten mit organisationsinternen Daten zu verknüpfen oder sogar Algorithmen zu verkaufen.

Neben den klassischen Akteuren gebe es neuerdings auch „Datensöldner“: Sie nehmen an Wettbewerben teil, um die beste Lösung für ein vorgegebenes datenspezifisches Problem zu entwickeln und das Preisgeld zu gewinnen. Wer es beispielsweise schafft, das Fahrverhalten der Kunden für eine Versicherung zu klassifizieren, darf mit 30.000 US-Dollar rechnen. „Das ist eine Art von Open Innovation, weil das Unternehmen selbst nicht tausende Experten auf das Problem ansetzen kann“, so Hanbury. Die meisten Organisationen hätten sich aber noch nicht mit allen Möglichkeiten der Datenwirtschaft auseinandergesetzt.
Wird viele Branchen auf den Kopf stellen

„Wir wissen noch gar nicht, was hier in den kommenden Jahren alles entsteht“, erklärte auch Jürgen Horak, Director Solutions bei Dimension Data. Er ist überzeugt, dass Big Data-Analysen künftig ganze Branchen auf den Kopf stellen. So würden in der Industrie immer mehr Sensoren eingesetzt, um vorhersagen zu können, wann eine Maschine ausfällt und um die Kunden davon rechtzeitig zu informieren. „Denn jede Minute Stillstand kostet viel Geld“, so Horak.

Dadurch entstünden neue Geschäftsmodelle: „Die Maschinenhersteller verkaufen eine Dienstleistung, kein Gerät. In diesem Bereich gibt es eine große Dynamik und entsprechenden Handlungsbedarf. Wenn wir das nicht machen, macht es wer anderer“, ist der Experte überzeugt. Besonders die Großkonzerne müssten aufwachen und jetzt damit anfangen, „sonst wird es kritisch“. Sehr konservativ seien die heimischen Unternehmen beispielsweise beim Thema Cloud. Hier gebe es viele Mythen ohne Substanz.
Auf den Hype folgt vielleicht die Strafe

Werde beim Datenschutz übertrieben, schieße man sich selbst ins Knie, meinte auch Johannes Juranek, Partner bei CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte. So seien anonyme Daten relativ unkritisch. Richtig spannend werde es, wenn Big Data-Analysen zu einem "Profiling" einer Person führen, ohne dass dieser bewusst sei, welche Daten über sie verarbeitet werden und zu welchen Ergebnissen diese Datenanwendung führt. “Eine aktivere Ansprache oder persönlichere Werbung ist harmlos. Nicht zulässig ist aber, wenn vollautomatisch generierte Ergebnisse dazu verwendet werden, um die Entscheidung zu treffen, ob einer Person Kredit gewährt wird. Diese Entscheidung darf keine Maschine treffen“, so Juranek.

Vor allem Gesundheitsdaten seien „ein unendliches Eldorado für den Datenschutz, aber auch für Anwendungen“. Hier sei, wie bei anderen sensiblen Daten, Vorsicht geboten. Es dürfe nichts Analysen zugrunde gelegt werden, was eine Rückführung auf die Person ermögliche. Besonders im Hinblick auf die bevorstehende EU-Datenschutzgrundverordnung sei auf die rechtliche Zulässigkeit solcher Applikationen zu achten, „um die Strafen nach dem Hype zu vermeiden“.
Sensoren auf Schipiste optimieren Beschneiung

Der Big Data-Hype sei noch lange nicht vorbei, „im Gegenteil, der fängt erst an“, sagte Stephan Preining, Analytics Leader bei IBM Österreich, in Hinblick auf Trends wie das Internet der Dinge. Derzeit seien zwar viele Unternehmen noch zögerlich, Big Data strategisch einzusetzen. Erste Ansätze gebe es aber bereits. „In der Formel 1 können in Echtzeit Daten aus Motoren analysiert werden, um sie schneller zu machen. Und in Österreich wurde von den Bergbahnen mit Sensoren auf der Schipiste die Beschneiung optimiert“, erklärte der Experte.

Als Herausforderung nannte Preining den Umgang mit unstrukturierten Daten, die beispielsweise in Form von Bildern oder Videos rund 80 Prozent der heute existierenden Daten ausmachen: „Da liegt noch großes Potenzial.“ Eine Revolution beim Umgang mit Daten erwartet Preining durch kognitive Systeme wie IBM Watson, die die Fähigkeit haben, zu lernen, abzuwägen und in natürlicher Sprache mit den Menschen zu interagieren. So könnten beispielsweise Ärzte bei zeitaufwendigen Routine-Aufgaben, wie dem Nachschlagen von wissenschaftlichen Artikeln, oder Finanzvorstände bei der Bewertung möglicher Geschäftsrisiken unterstützt werden.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7645/

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